St. Ursula und ihre Gefährtinnen

Festtag: 21. Oktober * um 304 Köln

Es gibt kaum eine Martyrerlegende, die im rheinischen Gebiet die Heiligenverehrung so angeregt hat, wie der legendarische Bericht vom Martyrium der heiligen Jungfrau Ursula und ihrer 11 000 Gefährtinnen.
In der Ursula-Kirche in Köln befindet sich eine Inschrift, die aus dem 4. oder 5. Jahrhundert stammt - also noch aus der Zeit der Völkerwanderung - und die berichtet, dass ein Mann namens Clematius an dieser Stelle, wo Jungfrauen den Martertod erlitten hätten, eine Kirche zu ihrer Ehre an Stelle eines verbrannten und zerstörten Heiligtums errichtet habe. Die ersten Zeugnisse einer Verehrung der heiligen Ursula stammen aus dem 8. oder 9. Jahrhundert. Die Legende, die von Ursula und ihren Gefährtinnen (Aurelia, Cordula, Cumera, Kunigunde) erzählt, bezeichnet Ursula als Tochter eines britischen Königs; sie habe die Werbung eines heidnischen Königssohns zurückgewiesen und Jungfräulichkeit gelobt. Mit ihren Gefährtinnen sei sie zu Schiff von England abgefahren, rheinaufwärts bis nach Köln gelangt und durch Heiden, die die Stadt belagerten, umgebracht worden.

Großen Einfluss auf die Verbreitung und Anerkennung dieser Legende hatten die Offenbarungen der heiligen Elisabeth von Schönau. Von Köln breitete sich die Ursula-Verehrung aus nach Spanien, Italien, Dänemark, eben durch ganz Europa. Die Zahl 11.000 stammt aus einem mittelalterlichen Schreibfehler, ursprünglich hieß es in der Legende wohl Ursula und 11 Märtyrerinnen. Noch im 16. Jahrhundert hat die heilige Angela Merici ihrer Ordensgründung die heilige Ursula als Patronin gegeben.

Bernhard Kötting

Aus: Peter Manns (Hg.), Die Heiligen. Alle Biographien zum Regionalkalender für das deutsche Sprachgebiet. © Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1975.


Aus dem Leben

Das ins Dunkel gehüllte Schicksal der heiligen Jungfrauen hat die Phantasie des frommen Volkes von alters her stark beflügelt, so dass mancherlei legendäre Ausschmückungen entstanden.
So besagt ein alter Bericht, dass Ursula die Vorsteherin eines Klosters in der Nähe von Köln gewesen sei. Als in der Völkerwanderung die Hunnen heranrückten, hätten nun die gottgeweihten Jungfrauen in den Mauern der Stadt Schutz und nach Erstürmung der Stadt lieber den Tod als die Schändung auf sich genommen. Manch andere sahen in den Märtyrerinnen die Schwestern, Bräute und Töchter der von Gereon geführten thebaischen Blutzeugen. Ihre Reliquien seien die zahlreichen aufgefundenen Frauenschädel, deren Anblick bei den Ausgrabungen Grauen auslöste, weil man das Mordwerkzeug, einen fünf Zoll langen Nagel, noch in der linken Schläfe fand.
Am verbreitetsten aber ist folgende Überlieferung.
Der englische Söldnerführer Conan hatte die Bretagne erobert und spähte nun zur Besiedlung des Landes für sich und seine Krieger nach Frauen aus. Da dringt zu ihm der Ruf von der schönen und tugendreichen Tochter des Königs Dioneth von Cornwallis. Sogleich sendet er Boten mit kostbaren Geschenken, um Ursula zu begehren. Dioneth nimmt die Geschenke an und verspricht den Gesandten, dass binnen drei Jahren Ursula mit zehn anderen adeligen Jungfrauen von ausgesuchter Schönheit nach der Bretagne kommen würde - jede mit einem Gefolge von tausend Töchtern aus dem Volke. Aber er stellt die Bedingung, dass Conan zuerst den Glauben des bereits christlichen Britannien annehmen soll - nach der Zustimmung der Mädchen fragte niemand. Als die Schiffe in See stechen, werden sie durch einen Sturm nach Osten getrieben und segeln den Rhein hinauf nach Köln. Durch eine Erscheinung von Gott dazu aufgefordert, pilgert Ursula nun mit ihren Gefährtinnen über Basel nach Rom, um am Grab des heiligen Petrus den Segen für ihr künftiges Leben zu erbitten. Inzwischen aber sind die Hunnen, von Kaiser Gratian gegen seinen Gegenspieler Maximus in Gallien zur Hilfe gerufen, über den Rhein gesetzt und haben die Stadt Köln verheert. Die Schar der heimkehrenden Jungfrauen fällt in die Hände der wilden Krieger, und da sie die Zumutungen der trunkenen Männer abwehren, werden sie grausam erschlagen.

Aus: Hrsg. Herrmann-Joseph Weisbender; Heilige des Regionalkalenders, Band II: Juli bis Dezember; St. Benno-Verlag Leipzig; © Matthias-Grünewald-Verlag GmbH, 2. Aufl. Mainz, 1976.